Sonderprojekt „interkulturelle Kommunikation in Braunschweiger Kitas“

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Dem Braunschweiger Kita-Projekt möchte ich eine eigene Seite widmen.  Aus einem Einstiegsseminar für Erzieherinnen hat sich mit dem Caritas Familienzentrum St. Maximilian Kolbe eine mittlerweile mehrjährige kontinuierliche Zusammenarbeit entwickelt, ein intensives Coaching von Team und Eltern, die in den Jahren zu einem tatkräftigen interkulturellen Team zusammengewachsen sind. So ist das Projekt entstanden:

Widersprüchliche Aussagen im Alltag sind für Kinder aus anderen Kulturen keine Seltenheit. So können sie in ihrem Elternhaus beigebracht bekommen: „Senke den Blick, wenn Du mit Deinem Vater (als Respektsperson) sprichst“; im Kindergarten bekommen sie jedoch beigebracht, dass sie die Erzieherin (ebenfalls Respektspersonen) ansehen sollen, wenn sie mit ihnen redet.

Was sollen sie nun wem glauben, was ist „gut“, „richtig“, „höflich“ und „angemessen“, wonach sollen sie sich richten?

Dies ist nur ein Beispiel für einen typischen Wertekonflikt, wie er sich in unserer kulturell durchmischten Gesellschaft täglich unzählige Male abspielt und in Folge zu ebenso zahlreichen, oft heftigen emotionalen Auseinandersetzungen führt.

Ganz vermeiden lassen sich derartige Konflikte sicher nicht, aber ein besseres interkulturelles Verständnis auf Seiten von Eltern und Erziehern kann viele Situationen erklären und deeskalieren, gerade in den frühen Jahren der kindlichen Wertebildung ist es enorm wichtig für ein harmonisches Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Grundstock für eine erfolgreiche Integration.

Die Bürgerstiftung Braunschweig hat deshalb vor dreieinhalb Jahren ein einzigartiges Projekt ins Leben gerufen: die interkulturelle Bildung von Bezugspersonen, die in den ersten Lebensjahren den größten Einfluss auf die kindliche Entwicklung haben.

Familien und Erzieherinnen unterschiedlicher Herkünfte, Sprachen, Traditionen und Religionen stehen hierbei in ihrer Zusammenarbeit enormen Herausforderungen gegenüber.

Um Integration und harmonisches Zusammenleben in Stadtteilen mit kultureller Durchmischung zu fördern, startete die Bürgerstiftung das Pilotprojekt in ausgewählten Braunschweiger Kindertagesstätten, die überwiegend Kinder mit Migrationshintergrund betreuen. Mitarbeiter wurden geschult, um den kulturellen Hintergrund von Kita-Kindern und deren Eltern besser zu verstehen.

Die Ausgangssituation war in allen Kitas gleich: fehlende Elternbeteiligung an den Angeboten, keine Resonanz auf schriftliche Einladungen, mangelnder Kontakt, „falsches“ unkooperatives Verhalten von Eltern und Kindern. Seitens der Eltern gab es ebenfalls das Gefühl, „falsch“ zu sein, die empfundene Erwartung, dass man sich zu verändern habe, das Gefühl, ausgeschlossen und „unwillkommen“ zu sein und auch das Empfinden, dass die Kinder in der Kita „falsches“, „merkwürdiges“, „inakzeptables“ Verhalten lernen. Die Wahrnehmung der Erzieherinnen als übergeordnete Instanz verhinderte oft die eigene Initiative. Fehlende sprachliche Kompetenz verhinderte eine Beteiligung. Ein weiterer Grund für viele Missverständnisse lag oft in unterschiedlicher Körpersprache, weswegen die Trainingsmodule darauf besonders eingingen.

Heute zeigt sich im Familienzentrum St. Maximilian Kolbe ein ganz anderes Bild: der Umgang zwischen Erzieherinnen und Eltern ist persönlicher und familiärer. Die Elternabende finden nun als Elternfrühstück oder Elterncafé in lockerer Runde statt, der Raum ist bis auf den letzten Platz voll, jeder bringt etwas zu Essen mit, die Teilnehmer tauschen sich aus und finden dennoch genug Raum für Diskussionen, die das kindliche Sprach- und Sprechvermögen, die Grundschulwahl und mehr wichtige Themen betreffen. Gemeinsame Sportkurse, gemeinsames Kochen, sogar der Wunsch nach gemeinsamen Kurzurlauben haben sich entwickelt aus dem Gefühl, sich nun besser zu verstehen und dem Wunsch, gemeinsam noch mehr neue Erfahrungen zu machen.